Paul Gerhardt – 350. Todestag

Am 27. Mai 1676, vor 350 Jahren, ist der Pfarrer, Poet und Liederdichter Paul Gerhardt gestorben. 1607 ist er in Gräfenhainichen geboren, hat in Grimma die Schule besucht und wirkte später vor allem in Brandenburg und Berlin – also in unserer Region. Rund 140 Lieder sind von ihm überliefert – darunter so bekannte wie „Befiehl du deine Wege“, „Nun ruhen alle Wälder“, „O Haupt voll Blut und Wunden“, „Ich steh an deiner Krippen hier“ und das bekannte Sommerlied „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Über 20 seiner Lieder sind heute noch im evangelischen Gesangbuch.

Sein Leben kann nicht in einem kurzen Text beschrieben werden – deshalb will ich drei Punkte benennen, die mich besonders beeindruckt haben.

„Geh aus mein Herz und suche Freud…“ – Fast alle kennen dieses Lied. Es beschreibt die wunderbare Natur und die Schöpfung Gottes. Ab und zu schwingt ein wenig mit von dem leidvollen Leben – wenn er von „des Leibes Joch“ (Vers 12) oder der Sehnsucht, endlich „vor Gottes Thron zu stehen“ (Vers 11) singt. Dieses Lied ist 1648 entstanden, am Ende des Dreißigjährigen Krieges. 30 Jahre Gewalt und Krieg, 30 Jahre Plünderung, Brandschatzung, Vergewaltigung und Ermordungen liegen hinter Paul Gerhardt. Über 30 Prozent der Bevölkerung wurde ermordet. Paul Gerhardt hatte keine Chance, als Pfarrer angestellt zu werden, da sich die meisten Gemeinden keinen Pfarrer leisten konnten. So war er als Hauslehrer in Wittenberg und dann seit 1643 in Berlin tätig. In dieser Zeit ist das Lied entstanden. Er war 41 Jahre alt und hatte keine berufliche Perspektive. Es war ein Trostlied in schweren Zeiten, aber ein Lied, das gegen Ängste und Hoffnungslosigkeit ansingt. Mich beeindruckt, dass Paul Gerhardt nie den Lebensmut verloren hat.

„Befiehl du deine Wege…“ – Endlich, 1651, mit 44 Jahren hat er eine erste Anstellung in Mittenwalde bekommen. Drei Viertel der Einwohner haben im 30-jährigen Krieg ihr Leben verloren. Schmerz und Leid haben das Leben bestimmt. Paul Gerhardt kann mitfühlen. 1653 – also in dieser Zeit – hat er das Lied „Befiehl du deine Wege und was das Herze kränkt, der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt“ geschrieben. Es ist ein Lied von dem Vertrauen auf Gottes Führung auch in schwierigsten Zeiten. Die hat er auch privat erlebt. 1655, also mit 48 Jahren, hat er endlich geheiratet. Ein Jahr später wurde seine erste Tochter geboren, die mit acht Monaten starb. Nur eines seiner fünf Kinder überlebte die ersten Lebensmonate. 1667, also nach 12 Jahren Ehe, starb auch seine Frau. Mit 60 Jahren war er also Witwer, wieder mal ohne Anstellung und alleinerziehender Vater mit einem fünfjährigen Sohn. „Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken, die Sonn der größten Freud.“ (Vers 6) Dieses Gottvertrauen auch bei persönlichen Schicksalsschlägen beeindruckt mich.

„Ist Gott für mich, so trete….“ – Also ohne Anstellung – was ist passiert? 1657 trat er an der Berliner Nikolaikirche eine Pfarrstelle an. Dort arbeitete er mit Kantoren zusammen, die viele seiner Lieder vertont haben – Johann Crüger und danach Johann Georg Ebeling. Paul Gerhardt wurde in einen Konflikt mit Kurfürst Friedrich Wilhelm verwickelt. Dieser war reformierter Christ – wollte endlich Frieden zwischen den Religionen. Die Lutheraner und die Calvinisten bekämpften sich heftig. Das war dem wirtschaftlichen Aufschwung in Brandenburg nicht förderlich, weil in dieser Zeit viele Glaubensflüchtlinge, also calvinistische Hugenotten aus Frankreich, angeworben wurden. Der Kurfürst erließ ein Toleranzedikt, das der strenge Lutheraner Paul Gerhardt abgelehnt hat. Ich kann heute dieses Verhalten nicht verstehen. Aber ich bin beeindruckt, wie konsequent er für seine Überzeugungen eingetreten ist. 1667 verlor er seine Pfarrstelle. Schon etwas vorher hat er das Lied „Ist Gott für mich, so trete…“ geschrieben. Dort heißt es im 11. Vers: „Die Welt, die mag zerbrechen, du stehst mir ewiglich; kein Brennen, Hauen, Stechen soll trennen mich und dich; … kein Zorn der großen Fürsten soll mir ein Hinderung sein.“

Wieder arbeitslos als Witwer und alleinerziehender Vater. 1669 trat er eine Pfarrstelle in Lübben an. Im März 1676 dankt er in seinem Testament Gott für sein Leben und freut sich auf die Begegnung mit dem Auferstandenen und all seinen Lieben. Am 27. Mai 1676 stirbt er. Zehn Jahre vorher ist das Lied entstanden: „Warum sollt ich mich grämen…“ Dort heißt es im 8. Vers: „Kann uns doch kein Tod nicht töten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöten, schließt das Tor der bittern Leiden und macht Bahn, da man kann gehen zu Himmelsfreuden.“

Er hat gelebt, was er geglaubt hat.Peter Ruf

Quelle: zuki-49, Seite 20

QuelleDieser Beitrag stammt aus dem Gemeindebrief des Kirchspiels Geithain · Frohburg · Lunzenau.