„Es macht Lust, Kirche mit zu gestalten“ – Kirchenvorstand Christian Lippmann im Gespräch

Seit 30 Jahren arbeitet Christian Lippmann aus Kohren-Sahlis im Kirchenvorstand mit. Mindestens 10 Stunden im Monat bringt er sich ehrenamtlich in diese Arbeit ein, derzeit als Vorsitzender des Kirchenvorstands des Kirchspiels Geithain-Frohburg-Lunzenau mit 25 Kirchengemeinden und 39 Kirchorten sowie einem Haushalt von über vier Millionen Euro. Er wird auch weitermachen, wenn die Wählerinnen und Wähler es wollen.

Kirchenvorstand leitet die Gemeinde

»Wir leiten die Gemeinde. Wir entscheiden über Personal, über Bauangelegenheiten, wir geben Impulse für inhaltliche Arbeit und legen auch die Grundlagen des Gottesdienstplans fest.« Das klingt sehr selbstbewusst aus dem Mund des 56-jährigen Familienvaters mit zwei Kindern und Opa von drei Enkeln. Natürlich kann das alles nur in enger Abstimmung mit den Pfarrer*innen gelingen.

Das normale Kirchenmitglied merkt die Entscheidungen des Kirchenvorstandes nur, wenn es mit den rechtlichen Gegebenheiten konfrontiert wird – zum Beispiel bei einer Beerdigung, wenn es um die Gebühren im Friedhof geht. Manche Entscheidungen sind auch schwierig: Da entscheidet sich eine Gemeinde gegen eine weitere Zusammenarbeit mit einem Mitarbeitenden. Oder bei Baumaßnahmen kann man die Aufträge nicht an den örtlichen Bauunternehmer übergeben, da Voraussetzung für die Fördermittel ist, dass der billigste Anbieter beauftragt wird. »Aber wir schaffen das. Wichtiger werden die örtlichen Kirchengemeindevertreter, die unsere Entscheidungen gut vorbereiten müssen.«

Lust am Gestalten – Demokratie leben

Warum er sich das antut? Diese Frage versteht er kaum. Für ihn ist dies selbstverständlich. »Einerseits ist es Familientradition. Andererseits will ich Einfluss nehmen auf die kirchliche Entwicklung. Ich kann dadurch dem Ganzen eine Richtung geben.« Er hat Lust am Gestalten, und es macht ihm Spaß, mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten. »Man steht nicht alleine, sondern bringt gemeinsam mit anderen Menschen Änderungen zustande.«

Ob man sich zur Wahl stellen soll oder nicht – das ist für Lippmann keine Frage: »Unbedingt – im Sinne der Demokratie ist es wichtig, dass wir viele Kandidat*innen haben – zumindest immer zwei pro Kirchengemeinde. Wenn man nicht gewählt wird, dann kann man sich in anderen Aufgaben in der Gemeinde ehrenamtlich engagieren.« Vor allem junge Menschen macht er Mut, zu kandidieren. »Wir brauchen neue Perspektiven für unsere Kirche.«

Gesellschaftliche Bedeutung der Kirche stärken

»Ich möchte, dass die Kirche wieder eine größere gesellschaftliche Bedeutung bekommt. Was alles fehlt, wird man erst merken, wenn die Kirche wegbricht – z.B. im sozialen Bereich. Ohne Kirche bleiben die Armen bald auf der Strecke. Wir als Kirche haben die Aufgabe, dass die Menschen auch in der heutigen schwierigen Zeit ihre Hoffnung behalten, ihre Angst vor der Zukunft überwinden, gemeinsam Gott mehr zutrauen und die Zukunft in Gottes Hände legen – dazu will ich Menschen ermutigen.«

Peter Ruf

Quelle: zuki-50, Seite 24

QuelleDieser Beitrag stammt aus dem Gemeindebrief des Kirchspiels Geithain · Frohburg · Lunzenau.