»Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben …« Mit diesen bekannten Worten beginnt eines der schönsten christlichen Volkslieder.
Paul Gerhardt lädt uns ein, hinauszugehen, die Natur wahrzunehmen und darin Gottes Güte zu entdecken. Gerade im Frühling fällt das nicht schwer: Knospen brechen auf, Blumen blühen, die Tage werden heller, und neues Leben wird sichtbar.
Ich trete nur kurz hinter das Pfarrhaus und schon stehe ich zwischen lauter Frühjahrsblühern: Krokusse und Schneeglöckchen und Märzenbecher. Und ich atme tief ein und aus.
Nach den grauen und oft schweren Wintermonaten wirkt der Frühling auch wie ein Aufatmen der Schöpfung. Was tot schien, lebt wieder. Was verborgen war, kommt ans Licht. Dieses Wunder geschieht jedes Jahr neu – und doch staunen wir immer wieder darüber.
Der Frühling erinnert uns daran, dass Gott ein Gott des Lebens ist. Er hat die Welt nicht sich selbst überlassen, sondern erneuert sie ständig.
Dieses äußere Geschehen weist auf eine tiefere Wahrheit hin: Auch in unserem Leben will Gott Neubeginn schenken.
Vielleicht gibt es Dinge, die uns belasten: Sorgen, Schuld, Enttäuschungen oder Müdigkeit. Vielleicht fühlen wir uns innerlich noch wie im Winter.
Doch Gott lädt uns ein, neu anzufangen. Wie die Natur nicht aus eigener Kraft erwacht, sondern durch Gottes Wirken, so dürfen auch wir darauf vertrauen: Er kann neues Leben in uns wachsen lassen.
Das Lied von Paul Gerhardt bleibt nicht bei der Natur stehen. Es führt weiter zu der Erkenntnis, dass all die Schönheit ein Hinweis auf Gottes Liebe ist. Und es mündet in die Bitte, dass auch unser Herz erneuert wird: »Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd‘ ein guter Baum …«
Das ist die eigentliche Botschaft des Frühlings: Nicht nur draußen soll es blühen und wachsen und später dann Früchte bringen, sondern auch in uns. Gott möchte unser Herz verwandeln, damit Hoffnung wächst, Vertrauen neu entsteht und Liebe sichtbar wird. So kann der Frühling für uns mehr sein als eine Jahreszeit. Er wird zu einer Einladung Gottes: Komm heraus aus dem, was dich festhält. Öffne dich für das Neue. Vertraue darauf, dass ich dich erneuere.
Und vielleicht gehen wir tatsächlich einmal bewusst hinaus, so wie es das Lied sagt – sehen, hören, staunen – und entdecken darin neu die leise, aber kraftvolle Zusage Gottes: Ich mache alles neu.
Ich grüße Sie herzlich auch im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kirchspiel – Ihr Pfarrer Johannes Möller.
Quelle: ksgfl-april-juni26, Seite 1