Romanische dreischiffige Pfeilerbasilika — erbaut an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert.
Kohren gehört zu den ältesten historisch nachweisbaren Orten Sachsens — über tausend Jahre Geschichte, von denen die St.-Gangolf-Kirche ein wesentliches bauliches Zeugnis ist. Auf der Höhe eines Hügels gelegen, der sich nach Westen ins Tal schiebt, steht sie bis heute als eine der eindrucksvollsten romanischen Dorfkirchen der Region.
Ein ungewöhnliches Patrozinium
Der heilige Gangolf, ein Ritter der Karolingerzeit, war in Sachsen nie weit verbreitet — verehrt wurde er vor allem in Franken. Dass er in Kohren Kirchenpatron ist, deutet darauf hin, dass fränkische Siedler seine Verehrung mitgebracht haben, als sie im Mittelalter in diese Gegend kamen.
Was du drinnen findest
Der ungewöhnlich lange, zweijochige Chor
Zusammen mit den massigen romanischen Pfeilern prägt er den Raumeindruck. Die Fenster in der Apsis und die Reste an der Südwand stammen aus der Erbauungszeit um 1200.
Eine unsymmetrische Anlage
Das Südschiff ist einen Meter länger als das Nordschiff, auch die Abstände zwischen den Pfeilern variieren. Trotzdem wirkt die Kirche im Inneren auf den ersten Blick symmetrisch — ein Effekt, den der mittelalterliche Baumeister bewusst eingeplant hat.
Das Gewölbe des 15. Jahrhunderts
Damals wurde das Kirchenschiff eingewölbt und Maßwerkfenster eingebaut. Besonders eindrücklich sind die Aufleger des Gewölbes im Mittelschiff, die mit Blattwerk, Masken und Figuren verziert sind.
Das Altarretabel von 1616
Gestiftet von der Familie von Löser, im Zentrum eine Darstellung des letzten Abendmahls. Das Altarbild wird dem Umfeld des holländischen Malers Johann de Perre zugeschrieben — demselben Künstler, der auch den Altar in Prießnitz gestaltet hat. Die beiden Werke stehen damit in direktem künstlerischem Zusammenhang.
Der Umbau des 19. Jahrhunderts
Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche grundlegend überarbeitet. Das Westwerk wurde abgetragen und durch eine Vorhalle ersetzt, gleichzeitig entstand die heutige Orgelempore. Im Chorraum wurde das Bodenniveau abgesenkt, im Süden kam eine Eingangshalle dazu, im Norden ein Vorbau.
An den Planungen war der Architekt Ludwig Möckel beteiligt, der später durch die Restaurierung des Doberaner Münsters bekannt wurde. Aus dieser Phase stammen auch die Bleiglasfenster, die Kanzel und der Taufstein.
Baujahr Wende 12./13. Jahrhundert
Bereich Kohren-Sahlis
Patrozinium Heiliger Gangolf (in Sachsen selten, Herkunft aus Franken)
Altarretabel 1616, aus dem Umfeld Johann de Perres
Beteiligter Architekt beim 19.-Jh.-Umbau Ludwig Möckel (später Doberaner Münster)
