Mittelalterliche Wallfahrtskirche — 1186 erstmals erwähnt, 1424 spätgotisch erweitert.
Wenn du dich Geithain von Süden, Westen oder Osten näherst, siehst du sie schon von weitem: Die Marienkirche überragt die Stadtsilhouette und prägt das Geithainer Stadtbild mit. Ihre Baugeschichte reicht weiter zurück als die der Nikolaikirche — sie ist die älteste der vier Geithainer Kirchen.
Drei Dinge, die Wickershain besonders machen
Die Wallfahrtszeit
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts besaß die Kirche ein angeblich wundertätiges Marienbild aus Lindenholz. Es zog Pilgerströme nach Wickershain. Papst Johann XXIII. erteilte 1422 einen 40-tägigen Ablass für die Wallfahrer, 1470 kamen vier weitere Wallfahrtstage mit 100-Tage-Ablass hinzu. Aus diesen Einnahmen wurde die Kirche ab 1424 massiv erweitert — neuer Chor, neue Vorhallen, das Treppentürmchen am Westgiebel. Auch der berüchtigte Ablasskrämer Johann Tetzel war hier eine Zeit lang aktiv. Die Marienstatue wurde 1906 nach Dresden an den Königlich-Sächsischen Altertumsverein übergeben und ist dort vermutlich im Februar 1945 verbrannt — nur eine Abbildung ist uns geblieben.
Der Chor mit Birnenstab-Gewölbe
Das Gewölbe von 1424, von der Rochlitzer Bauhütte in deren Blütezeit errichtet. Die Rippen sind als Birnenstab mit Kehle ausgeführt. Unter den Gewölbeanfängen ragen Männer und eine Frau mit Spruchbändern heraus — rein dekorativ, ohne tragende Funktion. Hinter dem Altar: ein Engel und ein Adler.
Zweimal verloren, zweimal wieder aufgebaut
Am Karfreitag 1648 traf ein Blitz die Kirche. Turmspitzen und Kirchendach brannten ab, drei Glocken zerschmolzen, ein Sturm warf den verbliebenen Giebel in das Gewölbe. Schon 1650 hingen neue Glocken. Und dann wiederholte sich die Katastrophe: 1752 zerstörte ein Unwetter erneut die Turmspitze, die Glocken schmolzen abermals, die Kirche brannte bis auf die Mauern nieder. Auch Kanzel, Altar und Orgel gingen verloren. Bis 1755 wurde alles neu aufgebaut — inklusive Taufstein, Kanzel und Turm. Das ist die Kirche, die du heute siehst.
Erste Erwähnung 1186
Bereich Geithain-Wickershain
Patrozinium „Unsere liebe Frau“ (Maria)
Wallfahrtstag Mariä Heimsuchung, 2. Juli

