Dorfkirche Gnandstein
Kohren-Sahlis

Dorfkirche Gnandstein

Innenraum zur Orgel
Innenraum zur Orgel
Die Epitaphe der Familie von Einsiedel
Die Epitaphe der Familie von Einsiedel

Spätgotische Patronatskirche — fertiggestellt 1518, ein Jahr nach Luthers Thesenanschlag.

Gnandstein ist eine Kirche, in der sich zwei Welten treffen: die vornehme Pracht der Patronatsherren und die volkstümliche Bildersprache der Dorfgemeinde. Beides fügt sich in den spätgotischen Raum, ohne sich gegenseitig zu verdrängen. Genau deshalb gilt Gnandstein als ein hervorragendes Beispiel einer sächsischen Patronatskirche.

Der Bau und seine Geschichte

An der Jahrhundertwende vom 12. zum 13. Jahrhundert wurde hier — etwa zeitgleich mit der Burg — eine erste Kirche errichtet. Von ihr sind im Inneren romanische Putzreste unter den Emporen und außen ein Radkreuz unter dem Ostfenster erhalten.

Der Neubau der spätgotischen Kirche wurde 1518 fertiggestellt — genau ein Jahr nach Luthers Thesenanschlag. Der damalige Patronatsherr Heinrich von Einsiedel gehörte zu den frühen Anhängern der Wittenberger Reformatoren. Die Kirche ist also eine der letzten vorreformatorischen Neubauten der Region, errichtet in dem Moment, in dem der alte Glaube schon ins Wanken geriet.

Was du drinnen findest

Das Netzgewölbe aus rotem Porphyr

Die Rippen sind aus Rochlitzer Porphyr gearbeitet. Gotische Maßwerkfenster im Chor, farbig gefasste Glasfenster aus der Erbauungszeit.

Der Epitaphaltar von 1559

Mit einer eigens verfassten Inschrift — und zwar von Philipp Melanchthon selbst. Er wurde für den verstorbenen Heinrich von Einsiedel geschaffen, dem reformationsfreundlichen Patronatsherrn. Eine direkte Verbindung von einem Dorfaltar in die innerste Zirkel der Reformation.

Der Kanzelaltar von 1688

Einer der ersten Kanzelaltäre Sachsens überhaupt. In dieser Bauform werden Altar und Kanzel zu einer Einheit verbunden — eine gestalterische Innovation, die dann im Barock zur Regel wurde.

Die Sandsteinplatten der von Einsiedels

Neun Platten wurden 1640 im Chor aufgestellt, vier weitere folgten im 18. Jahrhundert. Sie zeigen Familienmitglieder der Patronatsherren und sind mit ihren Wappen geschmückt — ein dreidimensionales Stammbaum-Dokument.

Der Bilderzyklus des Kirchenschiffs

Tobias Pferts schuf nach der Vorlage der Bilderbibel Matthäus Merians d. Ä. einen ländlich-barocken Zyklus, der das Leben Jesu von der Verkündigung bis zum Jüngsten Gericht zeigt. Schlichter als der Schmuck der Patronatsloge — und gerade deshalb bemerkenswert.

Gut zu wissen

Fertigstellung heutige Form 1518

Bereich Kohren-Sahlis

Ältester Bauteil Um 1200 (romanische Reste)

Patronatsherr zur Fertigstellung Heinrich von Einsiedel, früher Unterstützer Luthers

Besonderheit Epitaph-Inschrift von Philipp Melanchthon (1559)

Gottesdienstplan Kirchenführer (PDF)
Lage im Kirchspiel