Barocke Saalkirche, 1787–1789 nach dem großen Stadtbrand wiederaufgebaut — mit Jugendstil-Vorhalle aus dem Jahr 1905.
Kaum eine Kirchgemeinde der Region hat so viele Katastrophen überstanden wie die Lunzenauer. Das Datum der ersten Siedlung lässt sich nicht exakt bestimmen; überliefert ist eine mittelalterliche Kapelle, die als Filialkirche von Rochsburg verwaltet wurde. Die heutige Jakobuskirche entstand nach einem einschneidenden Ereignis.
Ein Brand, der die Stadt veränderte
1781 wurde Lunzenau von einem großen Städtebrand heimgesucht. Die Kirche wurde vollständig zerstört. Mehr als vier Jahre lang hatte die Gemeinde keinen eigenen Gottesdienstraum — sie wurde nach Rochsburg verwiesen. Erst 1787 begann der Wiederaufbau, der bis 1789 dauerte. Verantwortlich waren Michael Mäßig und Maurermeister Schiffner.
Was du drinnen und draußen findest
Die barocke Saalkirche
Verputzter Bruchsteinbau mit geradem Chorschluss und eingestelltem Ostturm. Der Turm ist oben verschiefert und prägt mit seinen 36 Metern die Stadtsilhouette. Der Innenraum ist flachgedeckt — hell, übersichtlich, für die Gemeinde gebaut.
Der Kanzelaltar
Altar und Kanzel zu einer Einheit verbunden — eine Gestaltungslösung des barocken Dorfkirchenbaus, die in Lunzenau konsequent umgesetzt wurde.
Die umlaufende zweigeschossige Empore
Schafft Platz für eine Stadtgemeinde und prägt den Raumeindruck.
Die Herrschaftsloge
Ein Stück überliefertes Gesellschaftsmodell — die Patronatsloge war der feste Platz der örtlichen Obrigkeit beim Gottesdienst.
Die Jugendstil-Vorhalle von 1905
Bemerkenswert ist die Eingangshalle aus dem Jahr 1905 — sie wurde nachträglich als Vorhalle angebaut und ist im zu dieser Zeit modernen Jugendstil ausgeführt. Der Kontrast zwischen spätem 18. und frühem 20. Jahrhundert ist bis heute sichtbar.
Die Orgel
Ursprünglich ein Werk der Dresdner Firma Jehmlich, später durch die Firma Schmeisser überarbeitet.
Eine eigenständige Gemeinde
Bis ins 19. Jahrhundert war Lunzenau kirchlich an Rochsburg angeschlossen. 1833 beantragte die Bürgerschaft die Trennung, und am 8. Januar 1834 wurde die Selbstständigkeit der Kirchgemeinde Lunzenau durch das Kirchenamt Leipzig bestätigt. Seit 2019 gehört sie zum Kirchspiel Geithainer Land.
Wiederaufbau 1787–1789 (durch Michael Mäßig und Maurermeister Schiffner)
Bereich Lunzenau · Rochsburg
Patrozinium Heiliger Jakobus
Baustile Barock (Hauptbau), Jugendstil (Vorhalle 1905)
Bauform Saalkirche mit eingestelltem Ostturm (36 Meter hoch)
Selbstständigkeit als Kirchgemeinde 8. Januar 1834
Lage Am Markt von Lunzenau

