Spätromanische Chorturmkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert — barockisiert 1754, mit Flügelaltar um 1500 und bemalter Holzdecke.
Die Kirche in Niedersteinbach gehört zu den wenigen erhaltenen Chorturmkirchen der Region. Der alte romanische Turm steht über dem Altarplatz, mit romanischen Fensterbögen und Säulchen direkt über dem Altar. Wer die Kirche betritt, blickt nach oben auf ein Bauelement aus der Zeit um 1200 — ein seltenes Erlebnis, das es so nur in wenigen Dorfkirchen gibt.
Was du drinnen findest
Das romanische Portal mit Christuskopf
Über der Eingangstür ein historischer Portalbogen mit einem romanischen Christuskopf. Die Apsis trägt eine Blendarkatur auf Dreiviertelsäulen, dazu Vorhangbogenfenster — alles Zeugnisse der Bauzeit. Der riesige romanische Taufstein, der einst zum Bau gehörte, steht heute im Pfarrgarten.
Das spätgotische Flügelaltarretabel (um 1500)
Ein besonderes Stück. Nach einer Konservierung 2006 wurde es wieder aufgestellt, ist aber weiterhin stark beschädigt — bewusst nur konserviert, nicht saniert. Von einem unbekannten Meister, datiert auf etwa 1500. Im Mittelschrein der Erzengel Michael, Maria mit dem Jesuskind und der Heilige Georg. Die Flügel zeigen Laurentius, Katharina, Dorothea, Margarete, Barbara, Nikolaus, Maria Magdalena und Ursula. Die Außenseite der Flügel: die Verkündigung durch den Erzengel Gabriel.
Die Kanzel von 1688
Mit Darstellungen der vier Evangelisten, des Apostels Paulus, Jesus selbst und Johannes des Täufers. In späterer Zeit wurde der Kanzelaufgang verändert und zwei zusätzliche Bilder eingefügt.
Die bemalten Decken
Die Kirche hat gleich zwei bemerkenswerte Decken-Gemälde:
– 1759 malte Samuel Blättner aus Altenburg das Gemälde über dem Altarplatz in nur sechs Wochen — für 30 Taler. In den Ecken Szenen aus dem Leben Jesu: Geburt, Beschneidung, Taufe am Jordan, Abendmahl. – 1783 schuf Johann August Maul, ebenfalls aus Altenburg, das Deckengemälde im Schiff in Leimfarbe. Es stellt Szenen aus Altem und Neuem Testament gegenüber: Mose am brennenden Dornbusch und Geburt Jesu, die Erhöhung der Schlange und die Kreuzigung, die Himmelfahrt Elias und die Himmelfahrt Christi.
Die Wilhelm-Eduard-Schmeisser-Orgel von 1851
Aus der Rochlitzer Orgelbauwerkstatt — das Instrument spielt bis heute.
Mehrere barocke Grabmale
Aus dem 18. Jahrhundert — sie erzählen von den damaligen Patronatsfamilien.
Eine Kirche aus zwei Kirchen
Der heutige Altar stammt nicht ursprünglich aus Niedersteinbach. Er kam 1971 aus Canitz an der Elbe hierher — aus einer Kirche, die verfallen war. So ist der Altar selbst ein doppeltes Stück Geschichte: seine eigene, und die der Kirche, aus der er gerettet wurde.
Baujahr Spätromanisch, um 1200–1250
Barock-Umbau Kirchenschiff 1754
Bereich Langenleuba-Oberhain
Patrozinium Heiliger Georg
Flügelaltar Um 1500, unbekannter Meister
Orgel Wilhelm Eduard Schmeisser, Rochlitz, 1851
Deckengemälde Samuel Blättner 1759 (Altarplatz), Johann August Maul 1783 (Schiff)
Lage Auf dem Friedhof
