Spätgotische Dorfkirche von 1494 — mit einem Flügelaltar, der noch heute zu den Fastenzeiten gewandelt wird.
Die Wyhraer Dorfkirche wurde 1494 erbaut — also knapp ein Vierteljahrhundert vor der Reformation. Sie folgte einem hölzernen Vorgängerbau, vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Anfangs gab es wohl nur den Altarraum als Betkapelle. Erst im 16. Jahrhundert wurde das geräumige Kirchenschiff dazugebaut.
Der Flügelaltar von 1511
Das Herzstück der Kirche. Der monumentale Altaraufsatz gehört zu den nur sehr selten vollständig erhaltenen Flügelretabeln seiner Zeit. Inschriftlich auf 1511 datiert, entstand er in einer Altenburger Werkstatt.
Die Festtagsseite zeigt eine Versammlung der Heiligen.
Die Außenseiten zeigen eine Fülle biblischer, legendärer und dogmatischer Bildmotive.
Was den Altar einzigartig macht: Er wird bis heute liturgisch gewandelt. Zu Beginn und Ende der Fastenzeiten klappen die Flügel um — zwischen Festtagsseite und Fastenzeit-Seite wechselt die Kirche damit nicht nur ihre Stimmung, sondern auch ihr Bildprogramm. Ein Stück lebendige spätmittelalterliche Liturgie, das hier kein Museumsstück ist, sondern in aktivem Gebrauch.
Was sich über die Jahrhunderte verändert hat
Der Umbau von 1893/94
Außen und innen wurde die Kirche umfassend erneuert. Altar, Taufstein und Kanzel blieben in ihrer ursprünglichen Form erhalten — ein bewusster Entscheidung, die wir heute dankbar sein können.
Der Dachreiter
Musste 1974 wegen massivem Schädlingsbefall abgebaut werden. Allein aus Spenden der Dorfgemeinde und unter großem Einsatz konnte 2001 — 27 Jahre später — ein neuer Dachreiter aufgesetzt werden. Ein Stück Kirche, das buchstäblich von den Wyhraern selbst wieder aufgerichtet wurde.
Baujahr 1494 (spätgotisch, vor der Reformation)
Bereich Wyhratal
Flügelaltar 1511, Altenburger Werkstatt, wird bis heute liturgisch gewandelt
Prägender Umbau 1893/94
Neuer Dachreiter 2001 durch Spenden der Gemeinde

